Ein Schiff ist ein für Außenstehende und Neuankömmlinge wie mich nur schwer nachvollziehbarer Mirkokosmos. Es wird keine Blogeinträge mehr geben.

Zu Hause… schon komisch hier, so unbehelligt durch die Straßen zu laufen ;-) Und kein Mann kommt gerannt, wenn ich irgendwo versuche, meine Koffer hochzuschleppen ;-)

Gewöhnungsbedürftig auch, das Klopapier wieder ins Klo zu schmeißen… im ersten Moment sieht man sich immer noch nach nem Behältnis um ;-) Und ich erschrecke mich immer noch ein bisschen, wenn plötzlich das Wasser heiß wird – klar, bei 10 Wochen ohne einen Tropfen warmes Wasser…

Und ich merke, dass ich die Deutschen auf der Straße anstarre, und sie starren zurück, so neugierig irgendwie, als wäre ich als Nica das erste mal in Deutschland, tsss…

Habe außerdem den teuersten Einkauf meines Studentenlebens getätigt, 110 € noch ohne Obst und Gemüse, nur „normales“, also leckeres, deutsches Essen ;-) Naja, dürfte auch für die nächsten Monate reichen…

So, und das dürfte dann auch das Ende meiner Berichterstattung aus Nicaragua sein, hat mich gefreut, dass es doch einige bis hierher verfolgt haben ;-)

So. Wo hänge ich jetzt die Hängematte hin?

Geil! Es ist fast 9 Uhr abends und immer noch hell! Nach meinem nicaraguanischen Gefühl müsste es jetzt kurz nach 6 sein!

So, nun war ich also kurz vor Schluss auch noch mal in der Touri-Stadt Granada. http://stephiem.files.wordpress.com/2007/05/kirche-granada.jpg

Schon hübsch – aber ich kann mir nicht helfen, Urlaub würde ich auch dort nicht machen wollen.

Was ganz nett war, waren die isletas – ganz viele kleine Inselchen im Lago de Nicaragua, gerade so groß, dass ein Haus mit Garten drauf passt. Wenn man wissen möchte, wer in diesem Land die Reichen und Mächtigen sind, muss man sich nur erkundigen, wer alles Inselbesitzer ist. Mit Ausnahme der Isla de los Monos, der Affeninsel, auf der es tatsächlich nur 4 Affen und ein paar Bäume gibt.

Der Abschied rückt in greifbare Nähe – heute muss ich schon Koffer packen! Werde nochmal auf den Markt gehen und alles einkaufen, was mir unter die Finger kommt. Heute Abend dann Abschiedsessen mit meinen Freunden. Morgen mit den Kollegen. Ich werd sie schon alle sehr vermissen – aber abgesehen davon kann ich es gar nicht erwarten, nach Hause zu kommen und mein Leben wieder so zu gestalten, wie ich will! ;-)

Fremdenfeindlichkeit ist nicht nur ein deutsches oder westliches Problem. Auf den ersten Blick sind hier viele offen und freundlich, aber man wird auch immer wieder geringschätzig gemustert.

Aber auf den zweiten Blick zeigt sich erst (auch wenn man sowas natürlich wie pauschalisieren darf), dass viele doch im Hinterkopf haben, dass wir ja „nur“ Weiße sind, mit denen man umspringen kann wie man will. Und überhaupt, was haben die hier eigentlich zu suchen? – Aber ist ja eigentlich auch egal, solange man sie ein bisschen ausnutzen kann – denn immerhin sind Weiße nicht nur reich, sondern auch fleißig und hilfsbereit den armen Nicas gegenüber. Aber das ist ja eh eine Selbstverständlichkeit. Die haben uns gefälligst zu geben, dafür sind sie schließlich hier. Und dann können sie eigentlich auch wieder gehen.

Man merkt das oft nur in Kleinigkeiten, aber ich glaube unterbewusst ist das bei total vielen Nicas verankert. Es ist also nicht nur so, dass Weiße immer die Nicas „ausbeuten“. In wesentlich kleinerem Stil tut das hier jeder einzelne mit den Weißen. Und kann man es ihnen verübeln? So halten sie sich halt über Wasser – und warum sollte man eine Masche aufgeben, die absolut zieht?

Am Freitag durfte ich in Leon ganz alleine eine Europa-Ausstellung eröffnen ;-) (auch wenn’s kein großes Ding war)

Und dieses Wochenende waren wir in Huehuete am Strand, eine Freundin hatte Geburtstag und hat dort ein Haus gemietet. Also sind wir mit 2 Autos hin (ein Pick-up, auf dem auch wir blonden Mädels hinten drauf saßen und die Nase in den Wind hielten, sehr zur Freude sämtlicher männlicher Nicas die wir passierten…).

Wir waren schon eine coole Gruppe: Franzosen (die auch fernab vom Heimatland in Wahlstimmung waren), eine Finnin, ein Schweizer, ein Spanier, eine Kanadierin, eine Kubanerin, ein Italiener, eine Argentinierin, vermutlich ein Chilene, kurzzeitig noch eine Ecuadorianerin, und nicht zu vergessen, die Nicas und mich als Deutsche. Aber es war ein absolut geiles Wochenende, wir haben gebadet, gegessen, gespielt, getanzt und jede Menge getrunken und gegessen. Müsste man echt öfter mal machen! http://stephiem.files.wordpress.com/2007/05/sonnenuntergang-huehuete.jpg

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Ich habe auch eine Nacht in der Hängematte verbracht (gab nicht genug Betten) – sowas geiles! Ich dachte das wär voll unbequem, aber es war einfach nur gemütlich und auch so draußen zu sein – geil!

Wir haben auch eine Piñata gemacht. Das ist eine Papppuppe (wie viele Ps passen in ein Wort???), die man mit Bonbons füllt. Dann wird den Kindern (in diesem Fall: uns) die Augen verbunden, und sie müssen mit einem Stock nach der Puppe schlagen, die an einem Seil aufgehängt ist und in der Luft schwingt. Irgendwann hat man die Puppe dann kaputt gehauen und die Bonbons fallen raus.

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Die Lateinamerikareise von Steinmeier ist bisher gut verlaufen? Natürlich! Schließlich hab ich mich um die Überflugrechte über Nicaragua gestern kurz nach Mitternacht gekümmert ;-)

Am Sonntag waren wir auf einer ganz tollen Feier – es gab richtiges Essen! Mann, freue ich mich schon auf deutsches Essen – oder besser, deutsche Zutaten zum Kochen. Und Mineralwasser, so richtig mit Kohlensäure! Und auf einen frischen Morgen, wo man noch nen Schal ummachen muss (wo wir gerade dabei sind worauf ich mich freue)! Was ich übrigens nicht ein Mal vermisst habe ist warmes Wasser.

Dafür werde ich in Deutschland wahrscheinlich die erste Zeit ein gesteigertes Aufmerksamkeitsbedürfnis haben (noch schlimmer als sonst ;-) ). Ist halt so, wenn man hier immer und überalle von allen angeschaut, angesprochen, angemacht wird. Bitte also um Verständnis ;-) .

Was ich aber auf jeden Fall erzählen muss, ist meine Erfahrung mit dem nicaraguanischen Chor (DEM nicaraguanischen Chor). Ich hatte ja neulich im Konzert die 9. Sinfonie von Beethoven gehört, und mich dann erkundigt, ob ich mitsingen kann. „Ja klar. Komm einfach am Montag Abend in die Probe. Am Mittwoch ist Konzert, Messias, im Nationaltheater.“ Schluck. Aber ok. Wollte ich ja schon immer mal singen.

Es stellte sich heraus, dass die Hauptprobe nicht nur für mich, sondern auch für alle anderen die erste Probe war – „aber wir können das noch von letztem Jahr, da haben wir das schonmal gesungen“. Naja. „Können“ ist ja auch ein breites Spektrum.

Man fragt sich, was in dem Dirigenten vorgeht. Dr. der Musik, Amerikaner, hat auch mal Preise gewonnen. Soll man ihn bemitleiden, weil er vor dem Versuch resigniert ist, mit dem Nica-Chor musikalisch was auf die Beine zu stellen, oder soll man sich über ihn ärgern, weil er sämtliche Missstände ignoriert? Nach dem Motto: Wir sind zwar völlig auseinander (wobei es sich nicht um Zehntelsekunden, sondern ganze Takte handelt), aber egal, wir ziehen das durch. Und – nein, nochmal versuchen tun wir’s danach besser nicht.

Andererseits – würde er mittendrin abbrechen, was würde geschehen? Würde es überhaupt jemand merken? Vermutlich erst dann, wenn das Orchester nicht mehr weiterspielt. Denn angucken tut ihn keiner. Gemeinsame Einsätze sind ein Produkt des Zufalls, der sich vielleicht 2x pro Stück einstellt.

Naja gut, manchmal hat er versucht, ein paar Dinge anzumerken. Die Nicas schauen ihn dann verständnislos an und schmettern weiterhin kontinuierlich ihr Tremolo fortissimo.

In den Noten befindet sich kein einziger Bleistiftvermerk. Überhaupt zweifele ich daran, ob die ihre Noten überhaupt benutzen. Als ich in der 1. Probe diverse Leute fragte, ob ihre Noten vollständig seien (zum Kopieren), antworteten die meisten, sie wüssten es nicht. Ja hallo, wie singt ihr denn dann jede Probe?! – Noch besser waren aber die, die „ja“ sagten, was aber nicht stimmte. Wo sind die in Gedanken, wenn das Stück kommt, was sie nur angeblich besitzen?

An einer Stelle wurde der Sopran aufgeteilt. Ich zu meinen Nachbarinnen: „Wer singt denn was?“ – Keine Ahnung. „Und was singt ihr?“ – Schulternzucken. Ich glaube sie haben nicht mal verstanden dass da was geteilt wurde. Jedenfalls sangen sie alle souverän einen Mix aus beiden Stimmen.

Gesungen wurde der Messias übrigens in Spanisch, „damit jeder den Text versteht“. (Beim Konzert stellte sich raus, dass die Solisten auf Englisch sangen – juhu, das erste Spanglish-Konzert der Welt.) Naja, aber zum Thema Textarbeit braucht man nichts weiter zu sagen als dass der Dirigent sich erstaunt zeigte, dass wir irgendwo textbedingt einen anderen Rhythmus sangen – „aber ok. Ich hab den spanischen Text eh nicht.“ Als Dirigent!!!

Das Nica-Rezept für Koloraturen ist ein besonderes. Man setze auf der 1. Note selbstbewusst ein, dann folgt ein decrescendo. Man könnte denken: juhu, Dynamik! Nein nein, es ist rein bedingt durch die komplette Improvisation der weiteren Noten…

Heute Abend war dann Konzert. Es ist unfassbar, aber wir gingen auf die Bühne, ohne einen einzigen Ton ein- oder anzusingen! „Ach ja, und der Tenorsolist kommt nicht, Stück XY fällt aus“. Was mich beeindruck hat war das von unserem Unichor immer langwierig geprobte Aufmarschieren: sage und schreibe eine Minute vor Aufmarsch sagte jemand: Wir müssen alles ändern, X Leute in Reihe X, Y Leute in Reihe Y. Und dann gings einfach sofort los! Aber hat geklappt. Irgendwie.

Das geilste war wohl, dass ich mehrere Leute fragte, wo wir denn unsere Sachen lassen. „Ja wenn wir reingehen, da können wir die lassen.“ Ich also mit meinem Rucksack, gehe durch die Tür, und stehe plötzlich schon auf der Bühne. Aber durchaus nicht als einzige. Die haben doch tatsächlich alle beim Aufmarsch ihre Taschen mit zu ihrem Stühlchen genommen! Meine Nachbarin die ganze Zeit mit Handy in der Hand… unglaublich ;-)

Das Konzert selbst war aber eigentlich doch schön. Ich hab schon manchmal gelitten, weil es echt manchmal so klapperte… Aber angesichts der Umstände hats doch ganz gut geklappt.

Gestern bin ich mit knapp 50 cent Teil der Korruption geworden.

Bekannte von uns wollten uns nach Hause bringen, mitten in der Nacht, kein Verkehr, aus Versehen anscheinend irgendwo falsch abgebogen. Die Polizei war natürlich gleich zur Stelle. Unsere nette Fahrerin hatte unglücklicherweise ihren Führerschein nicht dabei. Also Daten erfasst, „so geht das hier in Nicaragua nicht“, ewig diskutiert, half auch nichts. Ob man das nicht „anders“ lösen könne, fragte die Fahrerin. Da hieß es erstmal nein…

Dann aber ganz plötzlich 180 Grad Kehrtwende. Nein, wir müssten jetzt keine Buße bezahlen. Ihr Freund soll sich ans Steuer setzen, der hatte seinen Führerschein dabei. (gut dass keiner darauf geachtet hat, was der schon getrunken hatte…) (aber hier wird ja nicht gepustet, hier wird angehaucht).

Netterweise begleiteten uns die Herren noch ein Stück nach Hause. Irgendwann winkten sie uns ran. „Ihr musstet ja jetzt keine Strafe bezahlen – aber haben ein Problem, wir bräuchten ein bisschen Geld für Benzin…“ Gewusst wie, die Jungs.

Ich weiß jedenfalls nicht, wie ich mich verhalten hätte, wenn es mein Führerschein gewesen wäre… Kann man sich über Korruption beschweren, wenn man selbst bei solchen kleinen Sachen auch schon anfängt?

Es hat geregnet! Fast die ganze Nacht, in Strömen, Bächen, nein, Sturzbächen! Der erste Regen hier seit Anfang November, sagt der Taxifahrer. Vielleicht sehe ich ja doch noch etwas grün!

Naja, und man will schon tief durchatmen, die kühle, frische Regenluft… PUSTEKUCHEN! 37° hats immer noch, nur jetzt mit der x-fachen Luftfeuchtigkeit. Man steht einfach da und trieft…

Außerdem hab ich mein erstes Erdbeben gespürt. Ca. ne halbe Stunde weg von Managua hatte es die Stärke 5,0 auf der Richterskala, hier bei uns hats nur 2, 3 Sekunden etwas gewackelt. 

Am Mittwoch waren wir in San Rafael del Norte, Botschafter und ich, um irgendwelche Steuerzahl-Schalterfenster einzuweihen. Am Anfang der Veranstaltung wurde die nicaraguanische Nationalhymne gesungen – und mittendrin fiel der Strom aus. Die Nicas, ca. 50, fingen alle an zu singen, bis zum Ende. Sehr schön. Aber dann kam die deutsche Nationalhymne. Muss ja schon sagen, dass ich froh war, dass der Strom uns nicht im Stich ließ – wobei der Botschafter und ich das bestimmt auch „würdig“ zuende gebracht hätten ;-)

Die letzten (Oster)tage hab ich mit meiner Mitbewohnerin in Corinto, einer Hafenstadt, verbracht. War ein cooler Zufall: Ich wurde jemandem vorgestellt, der mich dorthin eingeladen hat, und sie hat gleichzeitig seinen Mitbewohner kennengelernt, der sie auch eingeladen hat ;-)

Kleiner Schreck vor der Abfahrt: Unsere Haushälterin steht plötzlich weinend vor mir und sagt, sie findet ihr Geld, was sie von uns bekommen hat, nicht mehr. Wir also das ganze Haus auf den Kopf gestellt, 1x, 2x, 3x, sie war fix und fertig. Ich hab sie dann gefragt, wie viel es war – 20 US$. Ich fand das ganz merkwürdig erschreckend. Mir hätte es überhaupt nicht weh getan, ihr das Geld einfach noch einmal auf die Hand zu geben. Aber für diese Frau bedeuten diese ca. 15 € so viel… Gottseidank haben wir es aber letztendlich doch noch wiedergefunden. Sie hat sich vor Freude mitten auf den Boden gesetzt und geheult. Sehr bewegend.

Dann also nach Corinto. Wir sind mit einem richtigen Einheimischenbus gefahren. Waren auch die einzigen Weißen die den genommen haben, ist zwar weniger Komfort, aber dafür sicherer vor Überfällen, gerade über die Ostertage.

So voll war unser Bus gottseidank nicht: http://stephiem.files.wordpress.com/2007/04/reiseverkehr.jpg

Corinto ist so ein richtiges Dorf. Jeden Tag Osterprozessionen, ansonsten recht ruhig. http://stephiem.files.wordpress.com/2007/04/prozession.jpg

Wir waren am Strand und haben einen Bootsausflug gemacht (wie gut wenn jemand Beziehungen zum Bürgermeister hat, der einfach mal umsonst ein Boot zur Verfügung stellt).

Der Hafen: http://stephiem.files.wordpress.com/2007/04/hafen.jpg - wenn auch vielleicht nicht mit der modernsten Flotte… http://stephiem.files.wordpress.com/2007/04/warmal.jpg

Der Leuchtturm von Corinto – süß, oder? http://stephiem.files.wordpress.com/2007/04/faro.jpg

Und finalmente der ehemalige Friedhof, auf einer doch recht einsamen Insel – die armen Toten bekommen nur 1x im Jahr Besuch, am 2. November, wenn man hier die Toten ehrt. Dafür gabs auf dem Friendhof immerhin jede Mengen Mangos ;-) http://stephiem.files.wordpress.com/2007/04/friedhof.jpg

Lecker gegessen haben wir auch, unter anderem „Ceviche“, roher Fisch, der in Zitrone mit Zwiebel eingelegt wird und noch irgendwie gewürzt. Und, suuuperlecker: pan de coco, Kokosbrot. So was geiles! ;-)

Abends waren wir 2x im Zirkus, wo einer unserer Gastgeber gelegentlich mit einer Feuernummer arbeitet. Dieser Zirkus hat es übrigens verstanden, sein hochkatholisches Publikum teilweise zu schocken: Zu einem Liebeslied bekreuzigte sich der Sänger, bevor er dann ganz schamlos die Männer mit mehr als eindeutigen Gesten anmachte. Naja, manche Männer konnten halt nicht drüber lachen, wenn er sich zu ihnen auf den Schoß setzte ;-) Andere nahmen zur Sicherheit lieber schnell ihr Kind auf den Schoß oder die Frau in den Arm…

Meine Mitbewohnerin ist in irgendwelche Stacheln im Meer getreten, musste ins Krankenhaus, um sie rauszuholen… das muss ein Desaster gewesen sein. Die Stacheln wurden nicht etwas mit der Pinzette rausgeholt, sondern es wurde gleich der Fuß aufgeschnitten. Man verpasste ihr eine Tetanusimpfung – obwohl sie schon geimpft war. Dass der Arzt ihren Fuß röntgen wollte – natürlich mit Röntgentechnologie auf dem „neusten“ Stand der letzten Jahrzehnte -, konnte sie noch abwenden. Dass die Toilette voller Kakerlaken war, sah sie gottseidank erst nach der Behandlung… Abenteuer Krankenhaus kann man sich hier also wohl getrost sparen.

À propos Abenteuer. Einer meiner Lieblingskollegen geht bald in die Botschaft im Irak für 6 Wochen. Er hat uns neulich aus dem Leitfaden für die Botschaft Bagdad zitiert. „Die schöne Aussicht wird nur von den Sandsäcken versperrt, die vor den Fenstern aufgetürmt sind, um Schüsse abzuwehren.“ Und nur so Sachen. Der Verfasser des Leitfadens hat die Situation dort wohl mit Sarkasmus genommen – aber schon total krass, wie die dort leben (müssen).

Heute haben war noch die Abschiedsparty für einen Freund, Kanadier. Schade, war nett mit dem! http://stephiem.files.wordpress.com/2007/04/img_0038.jpg

oSonntag sind wir, d.h. meine Mitbewohnerin, eine Nica-Freundin, ein Franzose und ich mit einem Kanadier nach Pochumil an den Strand gefahren. War total entspannt. Haben im Schatten einer Strandbar gesessen, und konnten auch so halbwegs die Menschenmassen umgehen, die sich zur Semana Santa einfinden…

Auf dem Rückweg sind wir noch in einer richtigen Pizzeria vorbeigefahren – total toll! Ich habe absolut nichts an der Nica-Küche auszusetzen, aber mal wieder so was richtiges europäisches, das ist schon was anderes ;-) Die Pizzeria war in nem anderen Ort, aber natürlich musste es so kommen, dass wir dort meine Kollegin getroffen haben – deren Sohn auch gleich meine Mitbewohnerin kannte, ……

Gestern habe ich mit dem Botschafter und 2 Zeitungsleuten einen Fußballverein angeschaut, sie haben mir sogar einen Wimpel überreicht ;-) Den Fotograf hatte ich schonmal beim Tanzen getroffen, außerdem kannte er auch meine Mitbewohnerin… das geht hier ständig so, unglaublich. Jeder kennt jeden über irgendwen, besonders als „chele“, als Weißer. Und es ist auch so unglaublich leicht, hier Leute kennen zu lernen. Gerade erst Kennengelernte bieten dir an, dich hier und dort mit hin zu nehmen, oder man geht zusammen weg, ohne dass man sich fehl am Platz fühlt.

Wahrscheinlich werde ich auf viele befremdlich wirken, wenn ich wiederkomme. Wenn ich dann ganz ohne Vorbehalt irgendwelche Leute anspreche und ganz ungeniert hunderte von Fragen stelle, wie das hier halt üblich ist… oder spätestens wenn ich sage: Ja, lass uns Nummern tauschen, dann machen wir mal was zusammen, werden sich wohl einige überrumpelt fühlen… Aber diese Offenheit ist total gut, um soziale und auch berufliche Kontakte zu schließen. Sollten wir uns manchmal ein Stückchen von abgucken.

Eigentlich ist das alltägliche Leben hier durchaus angenehm, ich könnte gut noch länger hier bleiben. Andererseits, sobald man etwas nachhakt - egal ob in Politik, Wirtschaft, Entwicklungshilfe, Situation und Einstellung der Menschen, einfach alles – kommt es einem vor, als stünde das Land vor Problemen, für die es keinen Ausweg gibt, wie ein Teufelskreis. Wie soll ein Land, dessen Politik und Wirtschaft von Korruption und Vetternwirtschaft geprägt ist, wo Millionen an Entwicklungshilfe im Sande versacken weil ineffektiv, wo die Menschen sich von Politikern zu extremen Meinungen und der Kirche ultrakonservativen Einstellungen verleiten lassen, wo viele nicht lesen können, nie aus ihrer Heimatstadt herausgekommen sind, wo der Abfall der ersten Welt Luxusprodukt ist, wo es 5 Monate heiß ist und der Staub sich überall festsetzt, und die restlichen Monate regnerisch und die Kleidung schimmelt … diese Liste ließe sich wohl noch lange fortsetzen … jedenfalls, wie soll dieses Land jemals so werden, wie wir uns ein lebenswertes Land vorstellen?

Und wie merkwürdig, dass sich so viele Europäer, und auch ich als verwöhnte Deutsche, hier so wohl fühlen. Man nimmt halt schon diese Nica-Mentalität an: mañana es otro día, morgen ist ein anderer Tag – was soll man sich also heute schon Gedanken machen. Es ist schon auffällig, diese Diskrepanz zwischen den objektiven Lebensumständen und der subjektiven Wahrnehmung – und das finde ich durchaus positiv; wie sollten die Leute schließlich sonst ihren Lebensmut aufrechterhalten?

Zum Schluss noch was erfreuliches: Ich habe mir eine Hängematte gekauft! ;-) Das ist schon toll, so auf der Terrasse vor der „Straße“ zu schaukeln – eigentlich ist es ja ruhig hier, aber man kann immer mal wieder ein paar Kinder spielen sehen, irgendwoher Musik hören, schön ist das.

Juhu, mein Spanisch scheint sich verbessert zu haben! Wurde in letzter Zeit 3x gefragt, ob ich Spanierin sei (sehe ich etwa so aus???), und letztlich frage mich ein Taxifahrer, seit wievielen Jahren ich denn schon in Nicaragua bin… Ich wünschte allerdings, ich würde davon auch etwas merken… Das einzige, was mir auffällt, ist, dass ich ständig beim Sprechen Fehler mache oder irgendwie rumstottere… naja, egal.

Gestern hatten wir einen Ausflug an den Strand von Chacocente, wo wir eigentlich mit Schülern der Deutschen Schule und ihren deutschen Austausschülern ein deutsches Kleinstprojekt zum Schildkrötenschutz anschauen wollten… dieser Ausflug war rundrum typisch Nicaragua. Das fing damit an, dass die – wohlgemerkt deutschen – Lehrer einen Tag vor dem Ausflug plötzlich davon ausgingen, das wäre erst in 2 Wochen… wir habens aber gerade noch so hingekriegt.

Ich war höchstglücklich, endlich mal mit einem dieser ausrangierten amerikanischen Schulbusse zu fahren – übrigens mit dem Logo „God bless my ways“ über der Windschutzscheibe. Naja, im wahrsten Sinne des Wortes. Dieser Bus musste dann tatsächlich über Stock und Stein durch irgendwelche Waldwege fahren – bis er schließlich in einem Flussbett mit dem Heck auf der Erde aufsetzte und nicht mehr zu bewegen war. „Macht nichts, diese langen Busse haben immer Probleme auf diesem Weg“, beruhigte und unser Organisator. Supi. Naja, nach ca. einer Stunde haben sie es dann auch tatsächlich geschafft, den Bus da raus zu kriegen – nicht nur zu unserer Freude, die wir in der knallenden Hitze gewartet hatten, sondern auch zur Freude der Fahrzeuge hinter uns, die sich, ganz ihrem Schicksal ergeben, nicht mal beklagten. Ist halt normal hier und ändern kann man eh nichts…

Hier der gestrandete Bus – war aber schlimmer als es aussah: http://stephiem.files.wordpress.com/2007/03/gestrandet.jpg

Und einmal von innen – konnte das da überhaupt gutgehen??? http://stephiem.files.wordpress.com/2007/03/pornobuss.jpg

Wenigstens sind wir halbwegs heile am Strand angekommen, da war es total traumhaft, warmes Meer, keine Menschen, feiner Sand… Auf dem Rückweg sind wir dann einen anderen, „schnelleren“ Weg gefahren – hätten sich die Nicas nicht einfallen lassen, genau zur Osterwoche, der Hauptreisezeit im Jahr, eine Spur der wichtigsten Durchfahrtsstraße Nicaraguas zu erneuern, so dass immer nur wir oder der Gegenverkehr fahren konnte…

Aber immerhin war der Weg traumhaft. Am Meer entlang, und dort gab es so richtg schöne Flecken: http://stephiem.files.wordpress.com/2007/03/bucht.jpg                                   http://stephiem.files.wordpress.com/2007/03/strand-mit-kaktus.jpg  http://stephiem.files.wordpress.com/2007/03/strand-abends.jpg

 Und man hat auch nochmal was vom Leben außerhalb der Großstadt gesehen. Ich wundere mich immer wieder, wie an den entlegensten Stellen Leute ihre Blechhütten gebaut haben – die müssen doch Stunden brauchen, um nur mal einen Kanister Wasser zu holen!

Bezeichnend ist auch, dass das Bild Nicaraguas geprägt wird von Leuten, die scheinbar ziellos am Straßenrand entlanglaufen, untätig auf irgendwelchen Pickups sitzen, oder vor ihren Häusern, oder sonstwo am Straßenrand… Aber das ist wohl auch ein Hinweis auf die hohe Arbeitslosigkeit – die Leute haben einfach nichts zu tun. Oder sie müssen tatsächlich stundenlang durch die Hitze laufen, um irgendwo irgendwas zu besorgen.

Am Wochenende hat mich der Botschafter mitgenommen zum Strand. Yeah, so stellt man sich das Leben am Pazifischen Ozean vor… Bastgedeckte Hütten auf Stelzen direkt am Strand, Palmen, und irgendwie die Wirlichkeit so weit weg…

Sie holte uns aber schnell ein. Der B. wollte nur nen Schlenker fahren – und blieb im nassen Sand stecken. Ich konnte ihn nach einer Weile davon überzeugen, dass es tatsächlich keinen Sinn macht, blind aufs Gas zu treten, weil sich die Räder reindrehten und wir immer tiefer einsanken, bis schließlich der Autoboden flach auf dem Strand auflag. Was bietet mir die Bild-Zeitung, damit ich die Flüche preisgebe, mit denen der B. diese zugegebenermaßen miserable Situation bedachte? ;-)

Naja, ich wollte dann mal aussteigen, machte die Tür auf – und das Wasser sprudelte mir schon um die Füße – die Flut kam, mit einem rasenden Tempo. Von irgendwo kam ein Nica angerannt, der anfing, den Sand vor den Rädern wegzuschaufeln, was nur bedigt sinnvoll war, weil das Wasser alles gleich wieder umspülte. Eine Camioneta muss hier, die uns da herauszieht. Schnell anrufen. Pustekuchen. Kein Netz, in dieser gottverlassenen Gegend.

Währenddessen machte ich mich daran, all unsere Sachen schonmal umzuverstauen – ich hab eigentlich unser Auto schon komplett unter Wasser gesehen. Irgendwo kam dann aber ein Trecker her und hat uns in allerletzter Minute gerettet… Wir waren alle nass, schmutzig, das Auto innen und außen mit Schlamm besprenkelt, irgendwas quietschte beim Fahren, die Fenster knirschten nach Sand… ABER ES LIEF!!! ;-)

Heute war dann ein Wochenanfang aus dem Bilderbuch. Morgens um 7 aus dem Haus, abends um 19:30 zu Hause gewesen… Aber immerhin war heute mein Bergfest, hab auch etwas Schokolade verteilt ;-) Ach, in der Botschaft fühle ich mich eigentlich richtig wohl, habe total nette Kollegen, mit denen ich auch so mal schwatzen und rumblödeln und Mittag essen gehen kann. Da macht dann auch die Arbeit nicht so viel aus. Und noch besser, wenn man dann noch vom Präsidenten des Mittelamerikanischen Gerichtshofs ein Buch geschenkt bekommt ;-)

Langsam, muss ich sagen, komme ich auch in die Phase, wo ich mich nach den Konferenzen nicht mehr sofort auf jedes angebotene Getränk, Plätzchen, Häppchen, Teigteilchen stürze ;-) Es ist doch jedes Mal das gleiche. Naja, ist auch gut so. Sonst würde man als Diplomat glaube ich total fett werden. Ständig gute und reichliche Mahlzeiten, ständig Knabbereien zwischendurch, aber für jeden noch so kurzen Weg einen Dienstwagen. Sport ist eigentlich auch Fehlanzeige, bei der Hitze. Außer schwimmen! ;-)  

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